Die meisten Menschen, die grausame Taten begehen, sehen sich selbst nicht als „böse". Im Gegenteil: Sie sind oft überzeugt, eine moralische Pflicht zu erfüllen. Wenn das Gewissen durch eine höhere Idee (Religion, Nation, Ideologie, „das Gemeinwohl") beruhigt wird, fallen die inneren Hemmschwellen. Das Böse wird nicht aus Lust am Zerstören getan, sondern als notwendiges Übel oder sogar als heldenhafte Tat verklärt. 2. Historische Beispiele Die Geschichte ist voll von Beispielen, die diese These stützen: Die Inquisition: Folter und Hinrichtungen geschahen im Namen der „Rettung der Seele" und des Glaubens. Kolonialismus: Unterdrückung und Völkermord wurden als „zivilisatorische Mission" gerechtfertigt. Totalitäre Regime: Der Holocaust oder der Stalinismus geschahen im Namen einer „besseren Zukunft", der „Volksgesundheit" oder der „klassenlosen Gesellschaft". Terrorismus: Auch heute noch rechtfertigen extremistische Gruppen Gewalt damit, für Gott, Fre...